Traditions­verein
Mühlhäuser Heimatfeste e.V.

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MÜHLHAUSEN. Knapp 50 Jahre existierte die Kirmesgemeinde "Untere Win- deberger Straße". Bekannt war die vor allem durch ihre kritisch-zynischen Umzüge, bei denen man sich stets um einen regionalen Bezug bemühte.

Kirmes gefeiert wurde in der Windeberger Straße schon lange. Bereits in den 20er Jahren hatten sich Nachbarn zusammengesetzt, um bei einem Glas Bier und ein bisschen Tanzmusik einfach das Beisammensein zu genießen. 1957 wurde die Gemeinschaft dann offiziell - die Kirmesgemeinde "Untere Windeberger Straße" wurde gegründet. Aus einer Garage hatte man damals mit viel Engagement eine gemütliche "Kirmesbude" hergerichtet. Diese fiel allerdings 1973 einem ungeklärten Brand zum Opfer, berichtet Jörg Mieth, letzter Kirmesbürgermeister der Gemeinde. Trotz des herben Rückschlags wollte man die Mühlhäuser Stadtkirmes nicht aufgeben. Mit viel Arbeit und Zeit verbunden, wurde die beliebte Kirmesbude an der Ecke Windeberger Straße / Wagenstedter Straße von den Mitgliedern wieder aufgebaut.Erschütterte nicht gerade ein solcher Zwischenfall den Kirmesalltag, wurde alle Kraft und Energie in die Kirmeswoche gesteckt. Der Festumzug galt immer als besonderer Höhepunkt, erzählt Mieth. Dabei habe man stets ein Thema gewählt, das von regionaler Bedeutung war. Auch Kritik habe man hin und wieder geübt. Auch wenn manche Kritik zu Zeiten der DDR leider der Zensur zum Opfer fiel.

Zweimal wurde die Kirmesgemeinde sogar für ihre kreativen Ideen im Festumzug ausgezeichnet. 1995 beispielsweise verhüllte der Künstler Christo den Berliner Reichstag. Im Gegenzug gab die Kirmesgemeinde "Untere Windeberger Straße" dem Mühlhäuser Rabenturm ein weißes Gewand. Der kritische Seitenhieb in Richtung Hauptstadt, dass diese Verhüllung keine Millionen kosten würde, musste sein. Für Aufsehen sorgte die Gemeinde auch, als sie Mühlhausen und Umgebung als touristisches Ziel attraktiver machen wollte. 2001 sei die Errichtung eines Stadtflughafens in Kassel diskutiert worden, erinnert sich Mieth. Da man ja in Obermehler auch eine Landebahn habe, kam die Idee, diese zum Flughafen der Region zu erklären. Mit einer Concorde im Umzug wollte man diese, für die Region förderliche Maßnahme bildhaft unterstreichen.

Doch trotz vieler schöner Ideen und einer eingeschworenen Gemeinschaft sollte die Gemeinde keinen Bestand haben. 2005 wurden die verwahrlosten Häuser an der Ecke Windeberger Straße / Wagenstedter Straße abgerissen. Mit ihnen musste auch die Kirmesbude weichen. Eigenhändig habe man die im September 2005 abgerissen, erzählt Jörg Mieth wehmütig. Eine aufgenommene DVD zeigt, wie das, was man sich in vielen Jahren aufgebaut hatte, in nur kurzer Zeit verschwand. Unterlegt mit dem Lied der Beatles "Yesterday" werden die passenden Emotionen ausgedrückt, die mit dieser eher traurigen Veranstaltung verbunden waren. Zwar habe die Stadt angeboten, die Kirmes an diesem Platz weiterzuführen, räumt Mieth ein, allerdings sei es dann nicht mehr dasselbe gewesen. "Man hätte die Erinnerungen an früher nicht mehr aufleben lassen können, denn viele sind mit der Kirmesgemeinde groß geworden - auch ich."

Dieses Jahr hätte die Kirmesgemeinde "Untere Windeberger Straße" ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Wahrscheinlich auch deshalb trifft man sich am Dienstag, 28. August, in der Kirmesgemeinde "Frohsinn" zum Kegeln und auf das ein oder andere Bier. Beginn: 19.30 Uhr..

Quelle: Thüringer Allgemeine Mühlhausen vom 23. August 2007 von Carolin BIEBRACH